Zwei Jahre Mammographie-Screening – was hat es gebracht?

Renate Z. (54) aus Dinslaken fragt: „Seit zwei Jahren gibt es jetzt das Mammographie-Screening. Ist es wirklich so zuverlässig, wie man immer glaubte? Neulich gab es Hinweise, dass die Trefferquote, einen Tumor zu entdecken, doch nicht so hoch ist und dass ein MRT besser sei. Stimmt das?“

Es sind schon zwei Jahre, die das Mammographie-Screening läuft. Zur Erinnerung: Hierbei geht es um eine freiwillige Reihenuntersuchung, zu der alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren kostenfrei im Zwei-Jahres-Turnus eingeladen werden. Sie erfolgt streng standardisiert in speziellen Screening-Einheiten und beschränkt sich auf die Röntgenaufnahme beider Brüste, die Mammographie. Vorteile dieser Untersuchung sind die hohe Ausbildungsqualität der dort arbeitenden Ärzte, ihre Motivation und die ständige Qualitätskontrolle. Die meisten Screening-Einheiten führen mit modernsten Geräten die sogenannte digitale Mammographie, ein hoch auflösendes Röntgenverfahren, durch. Insofern sind die Chancen der Entdeckung eines Brustkrebses bei dieser Untersuchung hoch.

Inzwischen haben eine Millionen Frauen in NRW bereits an diesem flächendeckenden Programm teilgenommen; das sind immerhin 54% derjenigen, die eine Einladung erhalten hatten. Die Akzeptanz ist also nicht schlecht, obwohl noch verbesserungsbedürftig. Bei etwa jeder hundertsten Frau wurde ein Brustkrebs festgestellt. Entscheidend hierbei ist jedoch, daß fast 60% der so entdeckten Brustkrebse eine Größe von weniger als 1 cm aufweisen oder gar Vorstufen sind. Und bei über 70% besteht noch kein Lymphknotenbefall. Das sind sehr gute Ergebnisse. Stellen Sie sich vor, alle diese Frauen hatten vorher nichts bemerkt. Den wachsenden Knoten hätten sie vermutlich erst deutlich später festgestellt, mit dann wesentlich schlechterer Prognose. Weil sie aber zum Screening gegangen sind, haben sie deutlich bessere Heilungschancen.

Es wurde die Frage gestellt, ob nicht ein MRT (Kernspintomographie der Brust) noch besser sei? Das MRT ist eine sehr aufwendige und sehr teure Untersuchung, für die die Krankenkassen in der Regel nicht aufkommen. Spezialisierte Röntgenärzte führen diese Untersuchung nur durch, wenn ihnen gleichzeitig eine Mammographie vorliegt. Um die Mammographie kommt man also nicht herum. In einigen Fällen kann das MRT Brustkrebse entdecken, die vorher in der Mammographie nicht zu finden waren. Das ist jedoch die Ausnahme. Für die Routine wäre der Aufwand eines MRT zu hoch. Viel wichtiger ist es statt dessen, den Wert der Mammographie und des Screenings richtig einzuschätzen. Es geht hier um einen Suchtest. Das darf man nicht vergessen. Die Einstellung „Ergebnis gut, also Ruhe für die nächsten beiden Jahre“ ist falsch. Denn Screening ist weder eine komplette Vorsorge-Untersuchung, noch entbindet es davon, die Frauenärztin bzw. den Frauenarzt aufzusuchen.

Trotz der eben genannten Erfolge beschränkt sich das Screening ausschließlich auf die Mammographie. Doch erst die Kombination von persönlichem Gespräch, Tastuntersuchung, Mammographie und differenziertem Ultraschall der Brust bietet die derzeit beste Tumorentdeckungsrate. Auf diese „pingelige“ Weise könnten noch mehr und noch kleinere Karzinome entdeckt werden. Die Grenzen der Mammographie liegen nämlich in der Gewebsdichte der Brust. Solange noch Hormoneinfluß besteht (jüngeres Alter, Einnahme von Hormonpräparaten, individuelle Besonderheiten), kann dichtes Drüsengewebe die Beurteilbarkeit der Röntgenaufnahme erheblich beeinträchtigen. Wer sich also auf die alleinige Mammographie verläßt, wiegt sich evtl. in falscher Sicherheit. Hier könnte die Schnittstelle zwischen Screening und frauenärztlicher Betreuung noch verbessert werden. Wenn im Befundbericht der Patientin und ihrem Frauenarzt auch noch der Grad der Gewebsdichte mitgeteilt würde, wäre das schon eine Hilfe. Dann könnte nämlich eine Ultraschalluntersuchung zusätzliche Sicherheit bringen.

Fazit: Aus der Erfahrung als Befunderin im Mammographie-Screening kann ich sagen, daß es einen Gewinn für alle Frauen darstellt. Es steht und fällt mit dem Engagement bzw. Einsatz der beteiligten Ärzte. Die Teilnahme der eingeladenen Frauen dürfte noch größer werden. Die Tumorentdeckungsrate des Screenings hat technische Grenzen. Deshalb bietet erst die Kombination mit frauenärztlichem Gespräch, Tastuntersuchung und sorgfältiger Sonographie optimale Sicherheit.

Dr. Mechthild Schulze-Hagen