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    • 16 FEB 16

    Zu stark, zu lang, zur falschen Zeit – Blutungsstörungen der Gebärmutter

    Unsere Leserin Rebekka G. aus Düsseldorf-Eller fragt: „Meine Mutter ist 46 Jahre alt und ihre Blutung hört gar nicht mehr auf. Jetzt ist sie endlich zur Ärztin gegangen und soll eine Ausschabung bekommen. Was hat sie denn?“ – Ihre Mutter leidet wahrscheinlich unter einer Blutungsstörung der Gebärmutterschleimhaut. Das sind vom regulären Menstruationszyklus abweichende Blutungen, kurzum alles, was zu stark ist, zu lang oder zur falschen Zeit auftritt. Im normalem Verlauf des Menstruationszyklus wird die Gebärmutterschleimhaut etwa alle vier Wochen abgestoßen und anschließend wieder aufgebaut. Dieser Prozeß wird von den Eierstockshormonen gesteuert.

    Wer aber unter zu starken, zu langen Blutungen oder Zwischenblutungen leidet, der sollte sich in frauenärztliche Behandlung begeben. Bei Blutungsstörungen müssen die Ärzte an viele Ursachen denken. Schon ein paar gezielte Fragen und der Blick in den Menstruationskalender, in dem Stärke, Dauer und Häufigkeit von Blutungen notiert werden, können bei der Diagnosefindung hilfreich sein. Gynäkologische Untersuchung und Ultraschall leiten dann in vielen Fällen zur richtigen Antwort.

    Häufige Ursachen von Blutungsstörungen sind Myome (gutartige Muskelknoten), die dem Blutstillungsprozeß der Gebärmuttermuskulatur mechanisch entgegenwirken. Auch hormonelle Störungen, die den regelrechten Aufbaues der Schleimhaut verhindern, oder übermäßiges Wachstum von Gebärmutterschleimhaut (Polypen z. B.), zählen dazu. Seltenere Ursachen sind Gebärmutterentzündungen, gestörte Schwangerschaften, Gerinnungsdefekte (schon durch ein Medikament wie Aspirin) oder bösartige Tumoren. Blutungsstörungen können in jeder Altersklasse auftreten, doch sind die 40 bis 50jährigen am meisten betroffen. Denn im Vorfeld der Wechseljahre wird das komplexe Zusammenspiel der Hormone störanfällig, dann kommt es auch zum vermehrten Wachstum von Myomen und Polypen.

    So vielfältig die Ursachen, so verschieden auch die Behandlungsmöglichkeiten. In unkomplizierten Fällen hilft bereits die Einnahme der Antibaby-Pille, die den angenehmen Nebeneffekt hat, die Blutungsstärke abzuschwächen. Auch Gelbkörperhormone (Gestagene) als Tablette oder in Form der Hormonspirale erreichen den gleichen Effekt. Manchmal ist eine Ausschabung bzw. Curettage nötig, um die blutende Schleimhaut aus der Gebärmutter zu entfernen. Dabei beurteilt der Operateur mit Hilfe eines optischen Gerätes, dem Hysteroskop, die Innenwände der Gebärmutter und kann unter Sicht gezielt Polypen oder wandnahe Myome abtragen. Alles entfernte Gewebe wird später vom Pathologen untersucht, wobei die wichtigste Frage ist, ob Tumorwachstum vorliegt. Denn in einem solchen Fall müßte eine konsequente und aufwändige Tumorbehandlung angeschlossen werden.

    Bei wiederholt auftretenden Blutungen kommt man nicht umhin, entweder die gesamte Gebärmutterschleimhaut an ihrer Basis abzutragen (Endometriumablation) oder gar die Gebärmutter zu entfernen, mittlerweile meist ohne Bauchschnitt. Denn es sind nicht nur die Unannehmlichkeiten, die lange oder häufige Blutung mit sich bringen. Der Blutverlust zehrt auch den Eisenspeicher auf, meist unbemerkt und schleichend. Dann sind verminderte Leistungskraft, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Infektanfälligkeit und Depression die Folgen von blutungsbedingtem Eisenmangel. Deshalb ist es wichtig, in solchen Situationen das Blutbild und den Eisenspiegel bestimmen zu lassen. Eisenmangel kann so quälend sein und seine Behandlung ist oft so simpel: Um das Eisendefizit wieder zu beheben, reicht bereits die tägliche Einnahme eines Eisenpräparates für ein paar Wochen.

    Dr. Mechthild Schulze-Hagen