Verhütung: Nicht nur die Pille

„Frau Doktor, ich habe ´nen Freund und brauche jetzt die Pille“ ist ein typischer Satz 15-17jähriger Mädchen, wenn sie erstmals in die Frauenarzt-Praxis kommen. Manche fügen gleich hinzu: „Und was ist, wenn ich sie vergesse?“ Die „Pille“ ist nach wie vor das am häufigsten verwandte sichere Verhütungsmittel; sie enthält als Wirkstoffe Gestagene (Gelbkörperhormon) und Östrogene. Es gibt sie mit unterschiedlicher Wirkung, mal gegen Akne und Haarausfall, mal gestagenbetont und damit wirksam gegen Regelschmerzen und starke Blutungen. Wieder andere Präparate, die sogenannten Minipillen, verzichten gleich auf das Östrogen und eigenen sich für die Stillzeit oder für Patientinnen, die wegen einer Thrombose kein Östrogen nehmen dürfen. Fast für jeden Typ gibt es die passende Pille. Doch, es muß nicht die Pille sein. Es gibt auch andere, längst bewährte Alternativen, bei denen man nicht Tag für Tag an die regelmäßige Einnahme denken muß.

So kann z. B. ein dünner Ring, der ähnlich wie ein Tampon in die Scheide eingelegt wird und der die beiden Hormone direkt an die Blutbahn abgibt, für 3 Wochen liegen bleiben. Danach folgt eine einwöchige Pause, in der die Blutung eintritt. Vorteile sind die geringere Hormonmenge und die nur alle 4 Wochen erforderliche Wiedereinlage. Ähnlich wirkt auch ein Verhütungspflaster, das z. B. auf den Oberarm geklebt und einmal pro Woche gewechselt wird. Auch hier erfolgt die Hormonaufnahme über die Haut. Beide Methoden sind genauso sicher wie die Pille.

Die „Dreimonatsspritze“ enthält nur ein Gelbkörperhormon, das in Depotform alle 3 Monate in den Gesäßmuskel injiziert wird. Sie führt meist zum Ausbleiben der Regelblutung. Manchmal bleibt der Wirkstoff nach Absetzen der Spritze noch längere Zeit im Körper und unterdrückt dann die eigene Hormonbildung der Eierstocke und die Regelblutung. Gerade junge Mädchen brauchen aber eigene Östrogene, die die Knochenbildung fördern. Deshalb sollte der Arzt prüfen, ob zusätzlich zur Dreimonatsspritze noch die Einnahme eines Östrogens erforderlich ist. Inzwischen kann ein Gelbkörperdepot auch in Form eines Stäbchens (Implantat) unter die Haut des Oberarmes gelegt werden und dann gleich für 3 Jahre verhütend wirken. Hier bleiben oft schwache Blutungen erhalten. Es für die Frauen, die eine ebenso topsichere wie langfristige Verhütung brauchen, interessant.

Sehr sichere Verhütung bietet auch ein Hormonträger, der in die Gebärmutter gelegt wird, salopp auch Hormonspirale genannt. Sein Hauptvorteil besteht darin, starke Regelblutungen zu unterdrücken. Er kann sogar 5 Jahre liegen bleiben, eignet sich aber eher für Frauen, die schon ein Kind geboren haben. Die eigentliche Spirale, bei der statt der Hormone ein Kupferdraht verhütend wirkt, kann ebenfalls bis zu 5 Jahren in der Gebärmutter verbleiben, unterdrückt jedoch nicht die Blutungen. Ihre Verhütungssicherheit ist etwas geringer als die der „Hormonspirale“. Bei beiden Methoden bleibt die eigene Hormonaktivität der Eierstöcke erhalten.

Während die Pille Akne und Haarausfall vermindern kann und bei einiger Disziplin sehr einfach einzunehmen ist, kommen die anderen Verhütungsmethoden mit z. T. deutlich geringeren Hormondosen aus. Trotzdem besitzen sie eine hohe Verhütungssicherheit. Ihr Vorteil besteht in der oft langen Liege- bzw. Wirkungsdauer. Sie bieten mittlerweile denjenigen Frauen, die das allabendliche Tablettenschlucken leid sind, attraktive Alternativen zu den oralen Ovulationshemmern, wie die Pillen korrekt heißen.