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    • 16 FEB 16

    Migräne und Regelbeschwerden trotz Pille – was tun?

    Die „Pille“ ist die häufigste und sicherste Form der Verhütung junger Frauen. Die große Mehrheit von ihnen schluckt die Hormone nicht nur wegen ihrer einfachen Anwendbarkeit, sondern häufig auch, um Menstruationsbeschwerden zu unterdrücken. Schließlich haben ca. 30% aller Frauen unter 50 Jahren so heftige Regelbeschwerden, daß eine medizinische Behandlung erforderlich wird. Und viele haben die alle vier Wochen eintretenden Monatsblutungen und Unterbauchschmerzen einfach satt. Ganz zu schweigen von den Tagen vor den Tagen, an denen man nicht gut drauf ist mit Blähbauch, Verstopfung, Brustspannen und Wassereinlagerung, mit Kopfschmerzen, Reizbarkeit, gedrückter Stimmung und fehlender Konzentration. Ein orales Kontrazeptivum, wie die „Pille“ fachmedizinisch korrekt bezeichnet wird, wirkt nicht nur am Eierstock durch Unterdrückung des Eisprunges, sondern vermindert auch das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Die aber spielt eine wichtige Rolle bei den Monatsbeschwerden. Weil nämlich bei vielen Frauen unter dem Einfluß der Hormone Östrogen und Gestagen die Menstruationsblutungen und die Regelschmerzen geringer werden, wird die Pille so häufig genommen.

    Dennoch berichten nicht wenige, daß sie mit der Pille mehr Kopfschmerzen haben als ohne. Und zwar genau in der einwöchigen Pause. Der Zusammenhang ist eindeutig, weil der Abfall des Östrogenspiegels nach dem Absetzen als Trigger für migräneartige Kopfschmerzen wirkt. Die können so stark werden, daß manchmal starke Schmerztabletten und Bettruhe nötig sind. Dabei wäre das alles gar nicht nötig.

    Denn das „normale“ Einnahmemuster der Pillenpackung mit 21 Tagen Einnahme und 7 Tagen Pause hat keinen biologischen Hintergrund. Es dient nur zur Nachahmung eines regelmäßigen Menstruationszyklus von 28 Tagen. Unter dem Einfluß der Pille sind diese Blutungen aber keine natürliche Menstruation, sondern künstlich herbeigeführte Entzugsblutungen, die ausschließlich durch die Einnahmepause bedingt sind. Genausogut hätte man bei der Entwicklung der Pille jeden anderen Einnahmezyklus wählen können. Denn dessen Länge wird einzig und allein durch die Zahl der eingenommenen Tabletten bestimmt. Sofern es sich um ein Einphasenpräparat handelt, d. h. alle Tabletten enthalten dieselbe Konzentration an Östrogen und Gestagen (im Gegensatz zu Dreiphasenpräparaten), kann die Anwendungsdauer beliebig festgelegt werden und durch die ununterbrochene Einnahme mehrer Pillenpackungen nacheinander auf bis zu drei oder gar sechs Monate verlängert werden. Ein solches Einnahmemuster heißt Langzyklus. Seit einigen Jahren werden Langzyklen immer beliebter.

    Nicht nur, daß auf diese Weise die Kopfschmerzen gleich über einen langen Zeitraum vermieden werden können, es bleiben auch die lästigen Blutungen und Regelbeschwerden weg. Genauso sind die praemenstruellen Stimmungsschwankungen und Wassereinlagerungen deutlich verringert. Das anfänglich manchen irritierende Ausbleiben der Menstruation verhindert sogar einen blutungsbedingten Eisenmangel und bietet eher mehr Verhütungssicherheit als der gewohnte vierwöchige Pillenzyklus. Viele Frauen können nun besser planen und zuverlässig vermeiden, daß die nächste Blutung ausgerechnet während des sommerlichen Badeurlaubs eintritt.

    Für den Langzyklus eignen sich vor allem niedrig dosierte Pillen. Zu Anfang der Einnahmeperiode sind Schmierblutungen möglich. Nach dem Absetzen tritt der spontane Eierstockszyklus sehr rasch wieder ein. Einer dann geplanten Schwangerschaft steht nichts im Weg. Für die langzeitige Unterdrückung des Zyklus kommen auch sogenannte Minipillen, die nur ein Gestagen, aber kein Östrogen enthalten, infrage. Weitere Möglichkeiten sind die Dreimonatsspritze, das Hormonstäbchen und die Hormonspirale, die sogar über einen Zeitraum von fünf Jahren wirkt.

    Dr. Mechthild Schulze-Hagen