Eklampsie – Lebensgefahr für die Schwangere

Unser Leser Harald S. aus Kranenburg fragt: „Unsere 27-jährige Tochter soll in einigen Wochen ihr erstes Kind bekommen, doch jetzt plötzlich wurde sie ziemlich krank. Sie hatte hohen Blutdruck, Doppelbilder und seltsame Krämpfe. Die Ärzte sprachen von einer Eklampsie. Was ist das, was wird jetzt gemacht, und kann das Folgen für das Kind haben?“ Ihre Tochter ist lebensbedrohlich krank. Wahrscheinlich liegt sie längst als Notfall auf der Intensivstation und vermutlich ist sie bereits durch Kaiserschnitt von ihrem Baby entbunden.

Krampfanfälle und Muskelzuckungen weisen auf das Vollbild einer Eklampsie hin, die zu den gefürchteten Schwangerschaftskomplikationen gehört. Glücklicherweise ist sie heutzutage nicht nur sehr selten, sondern auch vermeidbar. Doch der Reihe nach: Eklampsie ist das Maximalstadium einer Gestose, also eines schwangerschaftsbedingten Bluthochdrucks. Ursache hierfür sind genetische und immunologische Faktoren. Das mütterliche Immunsystem lehnt dabei die fetalen Eiweiße als fremd ab. Dies führt zur Verengung und Schädigung der Gefäßwände zunächst von Gebärmutter und Plazenta, später des gesamten mütterlichen Kreislaufes. Ein erhöhtes Gestoserisiko besteht bei Diabetes, Nierenerkrankungen, Gerinnungstörungen, Übergewicht, Mehrlingsschwangerschaften und nicht selten bei Erstgebärenden.

Bei einer solchen „Stoffwechselstörung“ der fortgeschrittenen Schwangerschaft kommt es zu drei klassischen Symptomen, nämlich (1) Blutdruckanstieg über 140/90 mm Hg, (2) Eiweißausscheidung im Urin und (3) Ödemen, also Wassereinlagerungen. Unbehandelt können diese Probleme in einer –wie der Fachausdruck besagt, manchmal akut „aufblitzenden“- Eklampsie eskalieren. Dann sind aufgrund von gestörter Durchblutung und Thrombusbildung bei der Mutter schwere Organschäden mit Nierenversagen, Leberschäden, Netzhautablösung, Lungen- und Hirnödem möglich, während gleichzeitig das Kind durch die vorzeitige Lösung der Plazenta und akuten Sauerstoffmangel bedroht ist. Zu spät erkannt und ohne ärztliches Eingreifen kann Eklampsie zum Tod von Mutter und Kind führen.

Die Beendigung der Schwangerschaft durch die Geburt ist die wirksamste Behandlung dieser dramatischen Erkrankung. Das ist zwar manchmal riskant für ein noch unreifes Kind, aber nur so lassen sich die Komplikationen in schweren Fällen aufhalten. Im Vorfeld ist die Gabe von geeigneten Blutdrucksenkern, Magnesium, Gerinnungshemmern und anderen Medikamenten erforderlich. Bettruhe gehört unverzichtbar dazu. Auf der kindlichen Seite muß ggfs. die Lungenreife gefördert werden. Doch eigentlich sollte es heutzutage gar nicht erst zu einer Eklampsie kommen dürfen.

Denn ihre Vermeidung bzw. frühzeitige Erkennung gehört zu wichtigsten Aufgaben einer sorgfältigen und regelmäßigen Schwangerschaftsvorsorge. Die Messung des Blutdrucks, die Untersuchung des Urins auf Eiweiß und der Check auf Ödeme sind hierbei Pflichtprogramm. Früher glaubte man, daß sich mit salzarmer Kost und Flüssigkeitsreduktion, z. B. durch die sogenannten Reis-Obst-Tage, Gestosen vermeiden lassen. Das hat sich als Irrtum erwiesen. Flüssigkeit, Kalorien und Salz in vernünftigen Mengen bieten da schon eher Schutz. Nicht die schlechteste Vorbeugung gegen schwangerschaftsbedingten Hochdruck sind streßfreie Lebensführung und Ruhepausen; heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Jede Schwangere sollte auch von ihren Ärzten auf mögliche Vorboten einer Eklampsie hingewiesen werden, zu denen schneller Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Augenflimmern oder Übelkeit gehören. Dann muß die rasche Aufnahme ins Krankenhaus erwogen werden. Glücklicherweise ist das heute selten nötig.

Dr. Mechthild Schulze-Hagen